Wie es sich anfühlt, 30 zu sein. Oder: Von Bären und Schmetterlingen

30. The big Three-O. Drei Jahrzehnte. Ein Runder, wie der Volksmund sagen würde. „Wie fühlt es sich an, 30 zu sein?“, bin ich in der letzten Woche und auch im Vorfeld schon gefragt worden. Eine Frage und ein Anlass, der mir gewichtig genug erschien, diesen schlummernden Bären eines Blogs aus dem jahrelangen Winterschlaf zu holen. Was Bären mit Schmetterlingen gemeinsam haben, wird am Ende dieses Texts vielleicht klarer sein. Oder – wer mich kennt, ahnt es schon – halt auch nicht.

Auf die Frage, wie sich 30 sein anfühlt, meldet sich sofort mein innerer Günter Neukirchner: „Die nächste deppate Frog!“ (Bitte nicht böse sein, falls du zu jenen gehörst, die mich das in letzter Zeit gefragt haben. Hab dich trotzdem lieb!) Aber was antwortet man als 30-jähriger, männlich gelesener, beseelter Fleischhaufen auf diese Frage? Es fängt ja schon einmal damit an, dass mir die längste Zeit meines bisherigen Daseins sowieso nicht bewusst war, was ich gerade fühle.

Baby-Bär mit Mama-Bär
Nase bohren konnte ich schon immer gut.

Das Gefühl der Veränderung

Woran das liegen mag, ist sicherlich einen eigenen Blogeintrag wert. Ich schieb das jetzt einfach einmal auf einen Misch-Masch aus „schwieriges gesellschaftliches Verhältnis zwischen Männern und Gefühlen“ + „Angst davor, die eigene Gefühlswelt zu konfrontieren (Kindheits(mikro)-Traumata lassen grüßen) + „mangelndes (Selbst)Bewusstsein“. Das macht es umso schwieriger, zu beantworten, wie sich ein Geburtstag anfühlt.

Manche dürfen (oder müssen, je nach Perspektive) sich zum erlauchten Dunstkreis derer zählen, die mich und mein Geschwätz öfter an der Backe haben. Diejenigen unter euch wissen bestimmt, dass ich mich in den letzten Wochen, Monaten, vielleicht sogar 2 – 3 Jahren doch intensiver mit Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Philosophie aber auch Spiritualität beschäftigt habe. Und – man glaubt es kaum – das hat so einiges an Erkenntnissen mit sich gebracht. Teilweise habe ich diese schon in früheren Blogeinträgen geteilt. Mit dem Ende des bärigen Winterschlafes wird da auch einiges auf euch – meine treue Leserschaft – zukommen. Buckle up, it’s gonna be a wild fucking ride!

Verschwitzt und medi-tier-end in Indonesien

Eine dieser Erkenntnisse ist bestimmt, dass sich alles immer verändert. Hätte die Waage im Bad meiner Eltern (ich selbst hab aus guten Gründen keine 😉) Stimmbänder, sie würde euch ein Lied davon singen. „No na“ wird sich jetzt der Großteil von euch denken. Aber trotzdem ist das eine Erkenntnis, die – für mich zumindest – so einiges an hilfreichen Schlussfolgerungen mit sich bringt.

Vor allem jene, dass es diesen Umstand zu akzeptieren gilt und wir uns der Veränderung, dem Älter werden und irgendwann dem physischen Verschwinden nicht entziehen können. Sorry, falls das in jemandem jetzt Existenzängste auslöst. (Das großartige Team von Kurzgesagt hat das wunderschön in einem Video verpackt.) It’s part oft he game, solange das Silicon Valley nicht den Stein der Weisen entdeckt. Und solange man nicht an das Konzept der Reinkarnation glaubt, aber dazu mehr in einem anderen Post.

Die hausgemachte „Third-Life-Crisis“

Wiederkehrende Leser:innen merken spätestens jetzt: Das ist kein Reiseblogeintrag. Und wie bei mir selbst, kann es gut sein, dass auch bearnecessities eine Veränderung durchmachen wird. Aber ihr werdet schon merken.

In der ersten Fassung dieses Posts habe ich an dieser Stelle begonnen, davon zu schwadronieren, mich wie eine Puppe im Kokon zu fühlen, die gerade zum Schmetterling wird. Weil Veränderung und Metamorphosen und blablabla. Aber um ehrlich zu sein: Bullshit, geht’s scheißen Schmetterlinge!

Ich hätte jeden Grund, es richtig schrecklich zu finden, 30 zu werden. Versteht mich nicht falsch. Ich bin mir meiner äußerst privilegierten Lage bewust. Dennoch: Gesellschaftliche Vorgaben, Normen und Erwartungen gehen ehrlicherweise auch an mir nicht spurlos vorüber.

„Was, du hast noch kein nennenswertes Eigentum? Was, du hast noch immer nicht die zweite Stufe der Karriereleiter erklommen? Was, du hast noch nicht einmal jemanden an deiner Seite, um das Leben auf dieser Erde zu vermehren?“ Big PHAT „Jooooop!“ Social Media setzt noch einen drauf. Stories, Reels und Co. lassen uns permanent vergleichen und suggerieren, wie viel besser es anderen doch geht. Dazu kommen die momentanen globalen Zustände die, bei allem Optimismus, durchaus herausfordernd werden könntenEt voilà: Hausgemacht ist sie, die Third-Life-Crisis.

Dem Honig folgen und gestochen werden

Glücklicherweise hatte ich das letzte Mal beim Blick in den Spiegel (neben wundervoll dichter Brustbehaarung) immer noch einen Bären und keinen Schmetterling auf der Brust tätowiert. Sprich: Veränderung, schön und gut. Aber ich will mich verdammt nochmal von dieser gesellschaftlichen Konditionierung nicht irritieren und verführen lassen.

Beweisfoto: Bär und Brustbehaarung

An dieser Stelle sei nochmal erwähnt, dass das alles aus einer sehr privilegierten Perspektive gesprochen ist, aber das ist nun einmal die Einzige, die ich authentisch wiedergeben kann. Aber ganz ehrlich: Sich mit den eigenen Konditionierungen, (oft falsch gelernten) Glaubenssätzen und aufoktroyierten Zielen auseinanderzusetzen, schadet niemandem. Egal welche Perspektive man mitbringt.

Mit all der Entwicklung und Veränderung im Gepäck will ich viel eher weiterhin dem Duft des Honigs folgen, auch wenn am Ende des Tages ein Stock voller Bienen auf mich wartet. Ich will auf die Schnauze fallen und wieder aufstehen. Ich will meinen eigenen Weg beschreiten und meine eigene Timeline dieses Lebens kreieren. Ich will Erfahrungen machen, die mir niemand nehmen kann und am Ende des Tages mein Leben gelebt haben. Wir verstehen uns.

Herzlich willkommen, oh du paradoxe Welt!

Das gelingt an manchen Tagen wirklich gut, und an anderen ziemlich schlecht. Das ist manchmal extrem motivierend, fast euphorisierend. Und an anderen deprimierend und einfach nur oasch. Aber wenn mich die letzten Jahre noch etwas gelehrt haben, dann folgendes: Das Leben ist voll von Paradoxa und Widersprüchen. Es strotzt nur so von Dichotomien und Dualität. Ist ist aus meiner Sicht zwar eine bittere Pille, aber das Leben als beseelter Fleischhaufen auf unserer Erde ist verdammt nochmal ambivalent. Und, so wie ich das sehe, gilt es das auszuhalten, ja sogar willkommen zu heißen!

So vergeht die Zeit, euer Bär ist jetzt 30!

So, jetzt habt ihr eure Antwort. Genauso fühlt es sich an, 30 zu sein. Älter zu werden ist gleichzeitig unglaublich spannend und geil, gleichzeitig tragisch und furchteinflößend. Aber wer akzeptiert hat, dass das Leben endlich ist und – frei nach den Stoikern – „Memento Mori“ verinnerlicht hat, der kann wirklich beginnen, zu leben! Und jetzt lass ich mir einen Schmetterling tätowieren, vielleicht sogar auf den Hintern!

Bis zum nächsten Mal, Bussis auf eure Bäuche.

Euer friendly Neighborhood-Schmetterling.

How it feels to turn 30. Or: Of bears and butterflies

30. The big Three-O. Three decades. A round one, as the Austrian would say. „How does it feel to be 30?“ I’ve been asked that quite a lot over the last week and even before my birthday. A question and an occasion that seem important enough to bring this slumbering bear of a blog back from its years of hibernation. Perhaps at the end of this text it will have become more obvious what bears have in common with butterflies. Or – if you know me, you might have guessed – not.

My instant reaction to that question has been something along the lines of “Stupid question, next question!” (Please don’t feel offended if you’re one of those people who’ve asked me that recently. Love you anyway!) But how do you answer this question as a 30-year-old male animated pile of flesh? It starts with the fact that for the longest time of my existence I haven’t even been aware of what I was feeling whatsoever.

Baby bear with momma bear
Always been a skillful nose-picker.

The feeling of change

The reason for this circumstance is certainly worth a blog entry of its own. I’ll just boil it down to a mixture of „difficult social relationships between men and feelings“ + „fear of confronting one’s own emotional world (greetings from childhood (micro)traumas) + „lack of (self) awareness“. Which makes it all the more difficult to answer what a birthday feels like.

Some may (or have to, depending on perspective) count themselves among the illustrious circle of those who get to regularly enjoy my mumbo-jumbo. If you do, you probably know that in the last few weeks, months, maybe even 2 – 3 years I have tried to learn more about topics such as personality development, psychology, philosophy and also spirituality. And – who would’ve thought – that brought a whole lot of insight with it. I have already shared some of that in previous blog entries. With the end of the bearish hibernation, there will also be a lot to come. Buckle up, it’s gonna be a wild fucking ride!

Sweaty and meditating in Indonesia

One of those insights is definitely that everything is constantly changing. If the scales in my parents‘ bathroom had vocal cords (I don’t have one myself for good reasons 😉), they would sing you a song about it. Most of you will now think “Duh Captain Obvious”. But it is still a realization that – for me at least – comes along with a whole bunch of interferences.

Above all, the fact that there is no way to avoid and escape change. Therefore, we better embrace and accept aging and at some point our own demise. Sorry, if this happens to trigger existential fears in anyone. (The great team of Kurzgesagt has summarized this in a lovely clip) However, it’s part of the game as long as Silicon Valley doesn’t discover the philosopher’s stone. And as long as one doesn’t put their faith in reincarnation. But more on that in another post.

Homemade third-life-crisis

Returning readers may have noticed by now: This is not a good ol’ bearnecessities-travel blog entry. Just like myself, bearnecessities may well be going through some changes. But you’ll know what I’m talking about eventually.

In the first draft of this post, this is where I started blabbering about feeling like a cocooned chrysalis about to become a butterfly. Because change and metamorphoses and ladeeda. But to be honest: fuck that, butterflies my ass!

Frankly, I would have every reason to think turning 30 was really shitty and awful. Don’t get me wrong. I am quite aware of how ridiculously privileged I am. However, there’s a but. I am still being confronted with societal requirements, norms and expectations. And between us, sometimes I struggle coping with that.

“What? You haven’t accumulated any significant property? What, you still haven’t climbed the second step of the corporate ladder? What, you don’t even have someone by your side to increase life on this earth? Well, big PHAT “Yeeearp!” Social media takes it one step further. Stories, reels et cetera essentially suggest to constantly compare ourselves to others. Add some pinches of global circumstances that, all optimism aside, are going to challenge us. Et voila: Ready is your homemade Third-Life-Crisis.

Follow the honey, get stung by bees

Luckily, since last time I looked in the mirror – alongside marvelously thick chest hair – I still had a bear and not a butterfly tattooed on my chest. That is to say: Yes, loving all that change and development. But me personally, I don’t want to be irritated, seduced and led by my own social conditioning.

Evidence: Bears and chest hair

Again, I am aware of my extreme privilege. But my perspective is the only one I can authentically talk about. And to be frank: Your own conditioning, the oftentimes wrong believes we’ve taken on and the goals imposed by society is something that one may want to dismantle at some point anyway. Regardless their personal perspective and privilege.

With all the change in my metaphorical backpack of a character I’d much rather continue to follow the scent of honey, even if at the end of the day there is a hive full of bees waiting for me. I’d much rather screw up and learn from it. I want to go my own way and create my own timeline in this life. I want to collect experiences and memories that nobody can take from me at the end of the day. You catch my drift.

Embrace the paradox

On some given days, this works really well. On others, it does not. At all. Sometimes this… let’s call it “way to live one’s life” feels extremely motivating, almost euphoric. And on other days it feels depressing and sucks ass big time. But if the last few years have taught me one more thing, it’s that life is full of paradoxes and contradictions. It teems with dichotomies and duality. For me, it was a tough pill to swallow but life as an animated pile of flesh on planet Earth is goddamn ambivalent. And the way I see it, the only way is to endure, even embrace that!

Now you have your answer. That’s the essence of what it feels like to be 30. Getting older is awesome and awful at the same time. But once one has accepted that our earthly lives are finite and – loosely based on the Stoics – once one has internalized the concept of “Memento Mori”, one can really begin to live! And now I’m getting a butterfly tattoo, maybe even on my ass!

Until next time, kisses on your bellies.

Your friendly neighborhood butterfly.