The Good, the Bad und die Knowledge

******************** If your German only goes as far as „Prost“ and „Dankeschen“ HERE is the English version for you ************************

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Wie im Vorjahr hab ich die Muse nicht mit nach China genommen und daher schon seit Weihnachten nichts mehr von mir hören lassen. Seit meinem letzten Blogpost über die Fahrradstory des Grauens sind natürlich drölf Millionen Dinge passiert und inzwischen habe ich das Kapitel China vorerst abgeschlossen und mir endlich wieder Mal Zeit genommen um etwas in die Tasten zu hammern.

Die Geschichte mit dem Fahrrad hat ironischerweise sogar einen sehr erfreulichen Verlauf genommen. Nach ‚Passierschein A38‘-artigem Hin – und Hergerenne (Asterix-Kenner wissen wovon ich spreche) vom Gericht zur Finanzabteilung zur Anwältin zur Finanzabteilung zur Bank zur Bank usw. Schlussendlich hatte ich meine zuvor eingezahlten knapp 36.000 Euro Kaution wieder auf dem Konto. Beziehungsweise waren es im Endeffekt sogar 1500€ mehr auf meinem Konto. Ein Geschenk des Klägers? Aufwandsentschädigung durch chinesische Behörden? Der war gut! Tatsächlich war das Mysterium recht schnell gelöst: In den drei Monaten, in denen ich versucht hatte, mein Geld wieder zu bekommen, wurde der Renminbi (also die staatliche chinesische Währung) so viel stärker, dass ich – bedingt durch den Wechselkurs von RMB zu Euro – nach dem Zurückwechseln eine angenehme Überraschung auf dem Konto vorfand. Ich behaupte jetzt einfach einmal: Das ist das Epitom guten Karmas. Suck it, Mr. Zhu! Mehr möchte ich auch gar nicht mehr zur Causa sagen. Unterm Strich bleibt eine gute Story und die Erkenntnis, dass man mit genug positiver Vibes und Unterstützung auch eine chinesische Zivilklage und Reisesperre unversehrt überstehen kann. Thank you, next!

Seit Weihnachten war ich natürlich auch wieder auf Reisen. Eigentlich verdient jeder der Trips des letzten halben Jahres einen eigenen Blogpost und vielleicht, wer weiß, küsst mich die Muse ja wieder wenn ich in den nächsten Tagen zurück in Österreich bin. Kurz erwähnt sollen sie hier trotzdem noch sein, da sie alle obergeil, kindheitstraum-erfüllend und auch „knowledgeable“ waren:

Da wäre zum Ersten die knapp einwöchige Reise zu Chinese New Year nach Kambodscha. Featuring der stressfreiesten und fetzigsten Co-Reisenden, die man sich nur vorstellen kann in Form der fetzigen Franziaska aka Francik aka Shranzeska aka Franny. Auch der liebe Alejandro sei hervorgehoben, der uns für ein paar Nächte bei sich auf seiner Couch beherbergt und uns die Expat- bzw. Clubszene Phnom Penhs näher gebracht hat. Dann war da natürlich noch der zutiefst berührende und beeindruckende Besuch der sogenannten ‚Killing Fields‘ bzw. des Genozid-Museums:  untergebracht in einem der tödlichsten Gefängnisse der Neuzeit überhaupt, dem ehemaligen S21, in dem nur eine Handvoll Häftlinge die Torturen und Grausamkeiten der Pol Pot bzw. der roten Khmer überlebten. Und natürlich im starken Kontrast dazu die atemberaubenden Tempel von Ang Kor in Siem Reap, wo wir sowohl Sonnenaufgang als auch Sonnenuntergang in den Tempelanlagen erleben durften. (Ich merke beim Schreiben dieser Zeilen schon, dass hier noch ein längerer Bericht folgen wird…)

Sunset in Siem Reap

Sunset in Siem Reap
Bild 1 von 4

Zum ‚Spring Break‘ ging es dann mit dem lieben Julian nach Malaysia, genauer gesagt auf die Insel Borneo und natürlich für ein, zwei Nächte nach Kuala Lumpur (schließlich der Hub für ganz Südostasien und Malaysia sowieso). Die Bilder sagen eigentlich mehr als 1000 Worte aber die Wildtier Begegnungen hier, angefangen von den Nasenaffen über einen U-Boot Elefanten bis hin zur sehr bedrückenden Sichtung eines Orang-Utans, gefangen in einer Palmöl-Plantage (siehe Facebook Fotos dazu), fallen ebenfalls unter die Kategorie „Kindheitstraum“ und waren auch sehr Augen öffnend was unser Konsumverhalten betrifft. Ich glaube auch hier muss noch ein längerer Text folgen.

In a temple outside Batu Cave, Kuala Lumpur

Es folgten noch 2 sehr kurzweilige Monate in Beijing  voll von Volleyball, Abschieds-, Sommer, Geburtstags- und sonstigen Feiern (gearbeitet wurde natürlich auch noch) und so plötzlich wie das Abenteuer China begonnen hat, war es dann auch schon wieder vorbei. Mit dem Ende des Schuljahres 2018/2019 endete auch mein zwei-jähriger Vertrag mit der British School of Beijing. Am Ende eines so abenteuerlichen und lehrreichen Kapitels, welches es zweifelsohne war, gilt es natürlich ein wenig zu reflektieren. Wie ich schon im letzten Post kurz erwähnt habe, bleibt am Ende eines Lebensabschnittes ein Haufen positiver als auch negativer Erfahrungen die dann eine Gesamterfahrung ergeben, ähnlich wie eine einfache Rechnung. Viele dieser Erfahrungen habe ich in früheren Posts schon kurz angeschnitten aber einiges möchte ich noch einmal kurz und knapp mit einer kleinen persönlichen Reflexion – sozusagen „unterm Strich“ – zusammenfassen:

(Disclaimer: Dass es sich hierbei um eine persönliche und ausschließlich subjektive Schilderung handelt, impliziert das Wort Reflexion ja schon. Mir ist klar, dass es Millionen von Menschen dort draußen gibt, die Aufgrund verschiedenster Umstände natürlich völlig andere Erfahrungen während ihrer X Jahre in China gemacht haben. Was folgt sind meine gänzlich eigenen Eindrücke nach zwei Jahren im Reich der Mitte!)

Was ich an China vermissen werden:

  • Als jemand, der sich selbst gerne als „social butterfly“ bezeichnet, war China und insbesondere Beijing natürlich ein Traum. Das Angebot an Freizeitaktivitäten, Reisedestinationen, Restaurants aus aller Welt, Sehenswürdigkeiten und nächtlicher Unterhaltungsmöglichkeiten ist schier unendlich. Gerade im letzten halben Jahr sind mir vor allem meine Volleyball Boys und Girls sehr ans Herz gewachsen (Shoutout an die Panthers Squad an dieser Stelle). Aber auch viele meiner Kollegen sind definitiv zu Freunden geworden, von denen ich sowohl professionell, als auch persönlich viel lernen konnte und mit denen es immer eine Riesengaudi war! Ihr wisst, wer ihr seid und ich hoffe inständigst, dass sich unsere Pfade in Zukunft wieder kreuzen werden!
  • Das bringt mich auch zum zweiten Aspekt den ich sehr vermissen werde: Mein Job an der BSB! Ein Gesamtpaket wie jenes, dass mir hier geliefert wurde, findet man bestimmt nicht so schnell. Auch wenn es immer viel Arbeit war, die Schultage mit regelmäßig knapp 10 Stunden oft lange waren, bin ich mit der Gesamterfahrung sehr zufrieden und froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Oft war es zwar nicht ganz einfach den Spagat zwischen den Anforderungen des deutschen Lehrplanes bzw. der deutschen Eltern und denen unserer britischen Schule gerecht zu werden aber wenn man mal die richtige Balance gefunden hat, ist es schwer, 10 Kinder in der Klasse und die Hilfe einer emsigen Lehrassistentin zu toppen! Das Finanzielle möchte ich jetzt an dieser Stelle nicht zu detailliert erwähnen, es sei nur so viel gesagt: auch trotz zahlreicher Reisen war mein Kontostand noch nie so erfreulich und in dieser Form findet man solche Verträge wohl höchstens im mittleren Osten.
  • Die chinesische Kultur! Historisch gesehen natürlich eine der ausgeprägtesten, ist China kulturell gesehen durch und durch unglaublich interessant. Die verschiedenen lokalen Küchen brauche ich, hoffe ich, gar nicht anzusprechen aber auch die vielen anderen kulturellen Aspekte die sich gehalten haben, machen China einfach sehr spannend. Ob es jetzt die Tanz- und Qigong Gruppen spätabends sind oder die Musikanten auf der Straße. Es ist immer was los und es gibt immer was zu sehen. Von Haus aus neugierige Personen werden an den verschiedenen Facetten der chinesischen Kultur Wunder und Überraschung finden.

Was ich an China nicht vermissen werde:

  • Die chinesische Kultur! Oder vielleicht besser gesagt „Unkultur“. Das ständige Hinrotzen, die schreckliche Verkehrssituation in Beijing inklusive der (unter anderem) dadurch oft schlechten Luft und vor allem die Nähe zur kommunistischen Regierung werden mir bestimmt nicht abgehen. Gerade Letzteres war für mich spätestens nach meinem persönlichen Abenteuer mit der chinesischen Justiz ein Dorn im Auge. Aber nicht nur, dass man als Helfender belangt werden kann, sondern auch die immerwährende Überwachung oder Konzepte wie das berüchtigte ‚Social Credit System‘, das de facto schon seit Jahren im Hintergrund läuft, gehen eigentlich völlig gegen meine Prinzipien.
  • Ein weiterer Aspekt dieser (Un)Kultur ist natürlich die Sprache. Als ich in den letzten Wochen auf meinen Reisen erwähnt habe, dass ich für zwei Jahre in China gelebt habe, wurde ich immer wieder gefragt ob ich denn nun Mandarin sprechen könne. Mit eingezogenem Kopf musste ich immer wieder eingestehen, dass es sich auf „Survival Chinesisch“ beschränke. Natürlich geht das einerseits auf mein Konto, da ich zum Beispiel sehr wohl regelmäßigen Chinesisch Unterricht beziehen hätte können. Andererseits muss auch erwähnt werden, dass Chinesisch tatsächlich keine der Sprachen ist, die man einfach so nebenher lernen kann. Natürlich ist auch die Sprachbarriere in China ungemein höher als in vielen anderen Ländern und ich bin sehr dankbar, dass ich zumindest in Notfällen Unterstützung von Kollegen oder Freunden beziehen konnte. (Special shoutout an Kasia, die mittlerweile hervorragend Chinesisch spricht und mir oft aus der Patsche geholfen hat!)

Und dann wäre da noch eine App namens „WeChat“. Hier war ich zunächst am überlegen, ob ich WeChat nicht vielleicht doch ein wenig vermisse. Andererseits muss ich zugeben, dass ich WeChat nach wie vor nutze, um beispielswiese mit Freunden in China in Kontakt zu bleiben, ist es wohl fast ein wenig scheinheilig so zu tun als ob dieses Lieblingsspielzeug aller Chinesen ausschließlich ein Werk des Teufels . Schließlich läuft ja alles über WeChat. Schulden bezahlen, Essen bestellen, mit Freunden verabreden, Tickets für’s Kino, im Restaurant bezahlen, Mobike aktivieren, Guthaben für’s Handy aufladen und und und. Ist doch praktisch, oder? Praktisch vielleicht aber andererseits macht man sich natürlich mit jeder Nutzung zum durchsichtigen Handy-Sklaven der chinesischen Regierung, die selbstverständlich an dem fortwährend größer werdenden Daten-Kuchen mitnascht. Wer das nicht will, hat in China leider verloren. Ganz nach dem Motto: Host koa WeChat, bist koa Mensch!

Welche Erkenntnisse nehme ich aus den zwei Jahren in China mit?

  • Die Knowledge. Zwar mittlerweile ein Meme bei Freunden und zugegebenermaßen verwende ich den Begriff mittlerweile wohl zu inflationär, haben tu ich sie immer noch. Nicht nur das, sondern ich habe sie über die letzten Monate versucht ständig auszubauen und bin stolz behaupten zu können, dass ich in den letzten zwei Jahren als Mensch gewachsen bin. Auch wenn ich immer noch den inneren Schweinehund in mir trage und unter anderem meinen Blog vernachlässigt habe, nicht wirklich zu Meditieren begonnen habe und auch noch immer kein, aus Stein gemeißelter Adonis bin, denke ich dennoch mich zum positiven weiterentwickelt zu haben. Vieles davon dürfte mit dem sogenannten ‚Growth Mindset‘ zu tun haben, dass auch an der BSB immer wieder in diversen Workshops und Fortbildungen Erwähnung fand. Es ist das Mindset, dass Fehler, Rückschläge und Downswings zum Leben dazu gehören. Wichtig ist, daraus zu lernen und seinen Weg weiter zu gehen.
  • Diese Downswings bringen mich zum nächsten Punkt. Gerade die Geschichte mit dem Fahrrad hat mir gezeigt, dass man mit den richtigen Menschen an seiner Seite und vor allem der richtigen (positiven) Einstellung, vor Nichts und Niemandem zu fürchten braucht. Was bringt es denn, ständig vor gewissen Dingen Angst oder Sorgen zu haben bzw. schlecht gelaunt durch den Tag zu gehen? Außer, dass man andere damit ansteckt, genau gar nichts. Negative Gedanken bringen einen einfach nicht weiter. Ich könnte mich nicht daran erinnern, wann ich mir das letzte Mal gedacht habe „Oje, aber was ist wenn…“ (Außer in der Liebe, da bin ich nach wie vor ein Scheißerl und mach mir viel zu viele Gedanken…). Das Leben ist voll von „Was wäre wenn’s“ und jeder Mensch sollte versuchen zu lernen, mit ihnen auf eine gesunde Art und Weise umzugehen.
  • Viele unendlich wertvolle Freundschaften! Wie bereits erwähnt, durfte ich auch in Beijing unzählige Bekanntschaften mit tollen Menschen machen, von welchen ich in allen Fällen gewisse Dinge lernen konnte. Das ist für mich vielleicht DAS wertvollste an solchen Abenteuern und auch der Grund wieso es für mich in der mittelfristigen Zukunft so weiter gehen wird. Ich kann wirklich jedem nur wärmstens empfehlen sich mal aus der eigenen Komfortzone zu begeben. Egal ob jung oder alt, berufstätig oder Student, Familie oder nicht. Ich glaube es sind die neuen Erfahrungen die uns mental auf Zack halten und die uns die Möglichkeit geben als Person zu wachsen. (/Gurumodus off)

Eines steht auf jeden Fall fest: Die zwei Jahre in Peking waren eine einzigartige Erfahrung, mit all ihren Berg- und Talfahrten, die ich keinenfalls missen möchte! Riesiges Danke an dieser Stelle noch einmal an alle die mir das Ganze ermöglicht haben (jetzt kommt die Oskar-Rede)! Special Shoutout an Kasia, ohne die China nicht einmal auf meiner Liste gewesen wäre und vor allem auch an Silke und Joe, die mir in Kollaboration den Job an der BSB verschafft haben. Natürlich an meine lieben Eltern, die zu jeder Zeit da waren, wenn ich ihre Hilfe gebraucht habe und natürlich auch an all jene die in schwierigen Seiten tat- oder gedankenkräftig unterstützt haben!

Some of those special "lollipop people" at BSB ((c) by Richy B.)

So und für diejenigen unter euch, die tatsächlich noch lesen: Was habe ich seit Ende Juni so getrieben? Einige werden vielleicht meine Posts über Australien gesehen haben. Dort war ich für knapp drei Wochen und hab mir den Kontinent im Schnelldurchlauf gegeben. Von Perth, über Melbourne und Cairns nach Sydney. Zahlreiche ‚reunions‘ und einen weiteren Kindheitstraum in Form des Great Barrier Reefs später, war es dann Zeit für den vierten Kontinent in diesem Kalenderjahr: Nordamerika. Genauer gesagt ging es (nach zwei knackigen Zwischenstopps in Hawaii und in Long Beach, CA) für zwei Wochen nach West Virginia, mountain Momma! Dort fand nämlich die 24. Ausgabe des World Scout Jamborees statt – ihres Zeichens das größte friedvolle Zusammenkommen Jugendlicher weltweit. Geschätzt 45.000 Menschen aus 150+ Ländern kamen im Summit Bechtel Reserve zusammen „to unlock a new world“ (So der offizielle Slogan des Events). Was es davon so alles zu Berichten gibt, lest ihr hoffentlich ganz, ganz bald!

Bis dahin, Bussis auf die Bäuche und Zaijien!

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